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Festspiele

Es wäre ein Traum…

... wenn wir Musik, die wir durch und durch zu kennen meinen – noch einmal ganz neu hören könnten! Sich noch einmal von der Dringlichkeit eines Schubert-Liedes überrumpeln zu lassen! Oder die Unmittelbarkeit der berüchtigten Fortissimo-Schläge von Beethovens fünfter Sinfonie noch einmal in der Magengrube zu spüren! Diese unwiederholbaren Momente zu erleben, wo man von der Wucht einer Musik völlig unvorbereitet getroffen wird. Wie ein Süchtiger jeder Note hinterherzulauschen. Nicht zu wissen, wie es weiter geht. Diesen Traum immer wieder zu suchen.

»Notwendig ist, die Verwirklichung der Träume in Angriff zu nehmen«, schrieb Hans Werner Henze voller Emphase vor 40 Jahren – nichts weniger hatten Uwe Schmitz-Gielsdorf und ich im Kopf, als wir begannen, den Spielplan für die neuen Ludwigsburger Schlossfestspiele zu konzipieren. Und das ist unser Traum: Künstler einladen, die uns anregen, die unsere Neugier wecken. Künstler, die zusammen mit uns scheinbar vertraute Werke großer Komponisten und Autoren neu entdecken. Die uns mit ihrer Sicht auf Shakespeare, Händel, Goethe, Schubert, Hugo Wolf, Gustav Mahler, Ellington, Bartók, Ligeti, John Cage oder Radiohead die Sinne und den Geist schärfen. Wir wollen Sie einladen zu den Ludwigsburger Schlossfestspielen – dem Fest der Interpreten.

Einige unserer Interpreten werden ganz unterschiedliche Facetten bei den Festspielen präsentieren und ihre Spuren im gesamten Programm hinterlassen, etwa Xavier de Maistre, der als Begleiter von Diana Damrau zu hören ist – an anderer Stelle aber auch als Solist an der Harfe. Christian Muthspiel, der uns als Posaunist, Dirigent und Komponist in verschiedenen und sehr ungewöhnlichen Konzerten überraschen wird; Wolfgang Mitterer etwa, der als Komponist und Organist in Erscheinung tritt – oder der wunderbare Schauspieler Sven-Eric Bechtolf, der in »Richard II.« 27 Rollen allein übernimmt. Das Spiel der Identitäten ist ein Thema dieser Schlossfestspiele.

Zur neuen Identität der Festspiele gehört auch, dass der Anteil unserer Originalproduktionen steigt. Ludwigsburg setzt in Zukunft vermehrt auf Eigenproduktionen – im Konzert und im Theater: am augenfälligsten mit der spektakulären Barock-Gala »Notte d’amore«. Übrigens: Sehr früh schon sind wir mit unseren »Nachbarn« von der Theaterakademie und der Filmakademie zusammen gekommen – und bald war klar, dass wir zusammenarbeiten wollen. Unterstützt von der Film- und Medienfestival gGmbH kam das 3-Tage-Festival »Stage on Screen/Screen on Stage« zur Welt, das bei den Festspielen zur Ausrichtung der ersten Ludwigsburger Filmmusik-Gala führen wird.

Es wäre ganz wunderbar, wenn wir Sie bei den Schlossfestspielen im Juni und Juli möglichst oft treffen würden! Wir freuen uns auf Ihre Neugier, auf die Gespräche mit Ihnen, auf Ihre Anregung.

Ihr
Thomas Wördehoff