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Pressestimmen

Eine begnadete Erzählerin spielt ihre Geschichten

Mittwoch, 15. Juli 2010 | Kornwestheimer Zeitung

Mit einem ungewöhnlichen Programm begeistert Olivia Trummer bei den Schlossfestspielen. [...]
Statt Komponisten der Klassik oder Romantik hatte sie sich Werke des Barocks, Impressionismus” und der Avantgarde ausgewählt, dazu Jazzstücke aus eigener und fremder Feder. Zudem hatte sie mit Etüden von György Ligeti und dem Dis-Moll-Präludium und Fuge von Johann Sebastian Bach Werke im Programm, die neben technischer Perfektion ein hohes Maß an intellektueller Durchdringung erfordern.

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Von Sabine Baumert

Beim Spiel der hoch begabten Künstlerin wurde jedoch schnell klar, dass für sie Kategorien keine Rolle spielen. Sie hat sich die unterschiedlichen Stücke ganz zu eigen gemacht, man könnte sagen, sie ist zur Seele dieser Musik vorgedrungen. Bei diesem tiefen Verständnis gibt es keine Gegensätze zwischen Emotion und Intellekt, zwischen Kompositionsstilen und Epochen. Vielmehr entsteht der Eindruck großer Einheitlichkeit, die einen Spannungsbogen über das Programm schlägt. Olivia Trummer verfügt zudem über eine hohe Konzentration und Intensität, die sich dem Publikum unmittelbar mitteilt und dafür sorgte, dass es im drückend heißen Ordenssaal mit angehaltenem Atem und größter Aufmerksamkeit dem Zweistunden-Programm lauschte. Außerdem ist sie, was man ihren eigenen Stücken anmerkt, eine begnadete Geschichtenerzählerin. Das gesamte Konzert war somit auch so etwas wie eine lange Erzählung mit vielen unterschiedlichen Charakteren. [...]
Die Künstlerin wechselt herzerfrischend unbekümmert zwischen dem Jazz, mit dem sie sich international schon einen Namen gemacht hat, und der Klassik. Bach und Mozart waren ihr Ausgangspunkt für vergnügliche Crossover-Stücke. Für ihre anrührenden Eigenkompositionen “Die Liebe” und “Ohne Winter” begleitete sie ihren ausdrucksstarken Gesang selbst am Flügel. Duke Ellingtons “I let a song go out of my heart” fasste das Konzert noch einmal thematisch zusammen.

Das Publikum im restlos ausverkauften Saal erklatschte sich zwei Zugaben: einen Chopin-Walzer und Olivia Trummers “Nobody knows”.


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Im Wohllaut der Kastraten-Kantilenen

Freitag, 12. Juli 2010 | Ludwigsburger Kreiszeitung

Michael Maniaci mit “Fiamme del Core” im Ordenssaal

Auf der Bühne fächeln die Musiker mit ihren Noten, im Publikum wedeln die Fächer [...] und man bewundert Michael Hofstetter und sein Festspielorchester, vor allem aber den Sänger Michael Maniaci, allein schon wegen ihres Durchhaltevermögens bei solchen Temperaturen.

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Von Dietholf Zerweck

“Dolci freschi aurette” beschwört Michael Maniaci mit seiner wirklich wunderbar frischen und natürlich leichten Sopranstimme. [...]
Der italo-amerikanische Sopranist, dessen Stimmlage noch etwas über der heutiger Countertenöre liegt, kann die Belcanto-Süße einer solchen Arie betörend zum Ausdruck bringen; wenn er sein Volumen ins Forte steigert, bekommt sein Sopran den durchdringenden Charakter einer Oboe d’amore. Melancholische Stimmungen vermag Maniaci in kantenlosen Wohllaut zu verwandeln. [...]
Wenn Maniaci dann doch mehr Temperament und Kontrast in seine wohligen Kantilenen legt, wie “Scherza infida” aus Händels Oper “Ariodante”, dann setzt es Jubelrufe im Publikum. [...]
Mann konnte mitfühlen, wenn Maniaci nach der “schwarzen, verhängnisvollen Nacht” die Sonne am Morgenhimmel mit Strahlen begrüßte.


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Die Freiheit des Interpreten

Samstag, 10. Juli 2010 | Esslinger Zeitung

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele 2010 präsentiert der neue Intendant Thomas Wördehoff als ein groß angelegtes Festivalprojekt, das immer wieder Erstaunliches verspricht – und hält. Der Plan etwa, den amerikanischen Jazzgitarristen Marc Ribot auf die Musik von John Cage loszulassen, ist reizvoll und birgt Zündstoff. Das provoziert Anhänger der reinen Werktreue und sorgt für Debatten.

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Von Thomas Staiber

[...] Im Ludwigsburger Louis-Bührer-Saal sitzen Marc Ribot und seine Musikerfreunde nicht im Kreis, und sie lassen ihre Musik auch nicht plaudern, sondern krachen, zärtlich flüstern, vehement ­schreien. Ribot ist ein New Yorker Avantgarde-Improvisator, einer, der die Rasanz, das Flackern der Großstadtlichter, die Gewalt, die Einsamkeit in der City ausdrücken will. „Cage war selbst ein Funk-Typ“, sagt er lachend und weiß, dass der vor 18 Jahren Verstorbene sich gegen so ein Etikett nicht mehr wehren kann. Der harte schnelle Funk ist für Ribot der authentische Rhythmus der Metropole. Dementsprechend besetzt ist die Band: zwei E-Gitarren, Keyboards, Bass, Schlagzeug und ein DJ. Das musikalische Material von „The Sonata For Two Voices“, einer chromatischen Komposition für „zwei oder mehr Instrumente“, die Cage 1933 im idyllischen Santa Monica geschrieben hatte, behandeln Ribot und seine Freunde nicht mit ehrfurchtsvoller Werktreue, sie schicken es wie einen Flieger durch den Klangraum, entführen es und leiten es um. Vielleicht hätte diese Raumvorstellung von Musik Cage gefallen, dem bei seinen Kompositionen stets „Klangskulpturen“ vorschwebten. Bei Ribot geschieht das mit den heutigen Mitteln elektronischer Technik, mit einem scratchenden Mixer, der auf den Namen „ DJ Logic “ hört.
[...] Die Ruhe vor dem Sturm währt bei Ribot und seinen Avantgarde-Funk-Musikern nie lange. Verhaltener Beifall zunächst als Ausdruck der Überraschung, am Ende unverhohlene Begeisterung.


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Für Freunde leiser Töne

Montag, 12. Juli 2010 | Esslinger Zeitung

Es war eine fremde, ferne Welt, in die der Lautenist und Gitarrist Rolf Lislevand das Publikum im Ludwigsburger Schloss­theater entführte. Man kann es sich heute kaum mehr vorstellen, dass die Laute bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts als die Königin der Instrumente galt.

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Von Frank Armbruster

[...] Dem Fandango Santiago de Murcias fügte Lislevand ebenso eigene Va­riationen hinzu wie Gaspar Sanz‘ berühmtem Canarios, beides Werke, die Lislevand auf einem anderen, noch mehr als die Laute in Vergessenheit geratenen Instrument spielte: der Barockgitarre. Das mit fünf Doppelsaiten ausgestattete zierliche Instrument besitzt praktisch kein Bassregister, umso erstaunlicher war es mitzuverfolgen, welchen Reichtum an musikalischen Nuancen Lislevand diesem vielleicht leisesten aller Instrumente abgewann. [...]
Dass Lislevand den Abend kenntnisreich und pointiert selbst moderierte, trug einen Teil dazu bei, dass dieses Konzert trotz leiser Töne umso länger nachklingen wird.


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MARC RIBOT, 08.07.2010, Schlossfestspiele, Ludwigsburg

Freitag, 09. Juli 2010 | gig-blog

[...] vor den Toren der Landeshauptstadt hat sich der Wind gedreht und die beiden neuen Intendanten gehen mit großem Ehrgeiz an ihre Sache. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, in Ludwigsburg einen Geist entstehen zu lassen, auf den andere Festivals niemals kommen würden. So wie neulich bei den Song Conversations 1-3, bei denen Brad Mehldau, Bill Frisell und Joe Henry in wechselnder Besetzung den Ordenssaal im Ludwigsburger Schloss bespielten.

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Von Reiner Pfisterer

So wie neulich bei den Song Conversations 1-3, bei denen Brad Mehldau, Bill Frisell und Joe Henry in wechselnder Besetzung den Ordenssaal im Ludwigsburger Schloss bespielten.
CAGED FUNK: LOOPED, HIJACKED, DETOURNED& SCRATCH MIXED, so das Fragen aufwerfende Motto des Abends nach der Halbfinalniederlage.
John Cage war einer der ganz großen Außenseiter und Einzelgänger unter den Komponisten des letzten Jahrhunderts. Diesem mitunter sperrigen Werk nahm sich Marc Ribot, der seit drei Jahrzehnten als einer der umtriebigsten Gitarristen der New Yorker der Jazz-und Rockszene gilt, mit seinen Freunden an.
Zu den unzähligen Musikern, mit denen Ribot musiziert, gehören Leute wie Elvis Costello und Tom Waits.

Die Freunde an diesem Abend waren jedoch andere: Marco Capelli (Gitarre), Brad Jones (Bass), DJ Logic (Turntables) J.T. Lewis (Schlagzeug) feat. Bernie Worrell (Keyboards).
Der Geist einer Welturaufführung wehte auch durch die zweitägigen Proben. Da wurden ständig Notizen gemacht, Dinge verworfen, ungewöhnliche Sounds kreiert.

Funk trifft auf John Cage. Das mag auf den ersten Blick irritieren, doch es herrschten nicht nur wummernde Bässe an diesem Abend vor. Vieles klang sehr frei und improvisiert und mitten im Konzert hatte ich eine Vision, die so einer Art Lebenstraum nahe käme . Ich schloss die Augen und sah plötzlich Mark Hollis die Bühne betreten und gemeinsam mit Ribot und seinen Freunden „Spirit of Eden“ das Meisterwerk von Talk Talk aus den späten 80ern neu interpretieren.

[...] Mein Tipp für diese Saison, die noch bis zum 31.Juli geht ist das Abschlusskonzert zu Ehren von Irmin Schmidt, dem langjährigen CAN-Mitglied.


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Ich ist doch ein anderer

Montag, 05. Juli 2010 | Stuttgarter Nachrichten

Jens Harzer liest Joseph Roth bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Die Zuschauer sitzen in barocker Pracht und blicken auf eine Inszenierung strenger Konzentration. Eine kaum sichtbare Landschaft mit Mond an der hinteren Bühnenwand, ein Holzstuhl, ein Mann in Schwarz. Der Mann heißt Jens Harzer und er liest am Sonntagmorgen im Theater des Ludwigsburger Schlosses Joseph Roths Roman “Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht”.

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Von Nicole Golombek

[...] Harzer hat seine Textfassung auf den Knien liegen, lange verharrt er in der Position einesd Jungen, der soeben fremde Blätter in die Hand bekommen hat. Gelegentliche Eitelkeitsanfälle des jungen Helden deutet er durch ein unmerkliches Sichaufrichten an, durch eine stolz lässige Pose, nur die mit “liebe Freunde” eingeleiteten Selbstanklagen spricht er mit festem Blick in Richtung Publikum. Harzers Ton ist nie selbstmitleidig, er ist freundlich, fast schmeichelnd und doch schwingt etwas Obskures mit. man traut ihm nicht. So wahrt Harzer großartig die doppelten Böden in Joseph Roths Text.


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Tanzwesen mit exzentrischer Körpersprache

Freitag, 02. Juli 2010 | Luwigsburger Kreiszeitung

Die Tänzer kommen aus dem Publikum langsam auf die Bühne. Ziehen sich bis auf die bunte Unterwäsche aus. legen ihre Kleider und Schuhe am hinteren Rand ab, hüllen sich in rote Decken. Nun stehen sie, eine gefühlte Ewigkeit, bewegungslos im Raum, sind “Out of Context” – wie Alain Platel seine neuste Tanzschöpfung genannt hat.

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Von Dietholf Zerweck

Auch in seinem neuen Stück arbeitet der belgische Choreograph Alain Platel, der seit seiner Zeit als Heilpädagoge von den Bewegungen körperlich und geistig Behinderter fasziniert ist, mit solch exzetrischer, der “Normalität” entfremdeter Körpersprache. Immer geht es dabei um Kommunikation und Interaktion – und sei es nur mit sich selber. [...]
Tätsächlich: Nichts ist vergleichbar mit der exzentrisch virtuosen, zwischen Hysterie und Ekstase pulsierenden Tanz- und Körpersprache Platels. [...]
Die Tanzfans im Forum jedenfalls bejubelten die Leistung der neun Tänzerinnen und Tänzer. Zu Recht.


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Drei Säulen tragen die neue Klasse der Festspiele

Freitag, 02. Juli 2010 | Ludwigsburger Kreiszeitung

Beschwingt und zufrieden kann man an einem lauen Sommerabend das forum verlassen. Die Offenbach-Gala “mon Cher Amant” war ein echtes Erlebnis und ein Musterbeispiel für das neue Konzept von Intendant Thomas Wördehoff.

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Von Arnim Bauer

Eine rundum gelungene Produktion, extra erarbeitet für die Schlossfestspiele, deren Profil derartige Veranstaltungen schärfen, die es anderswo nicht zu sehen gibt. Wenn sie auch noch eine solche Klasse bringen wie dieser Abend, dann hat dieses Konzept der besonderen Darbietungen auch eine frohe Zukunft. [...]
Liefers, gerne mit Blickkontakt zur feschen Sängerin, versteht es ebenso wie diese in ihrem Gesang, die feine Ironie Offenbachs und der brüder de Goncourt durchklingen zu lassen und im Wechsel entsteht so ein starkes Bild, das weit mehr ist als eine bloße Offenbach-Aufführung. Wer’s gesehn hat, darf gücklich sein.


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Die schwere Kunst des Leichten

Freitag, 02. Juli 2010 | Stuttgarter Nachrichten

Manche Sängerinnen sind schön. Andere sind klug. Nur wenige sind beides. Zu diesen zählt auch die in der Schweiz lebende Bulgarin Vesselina Kasarova (44), denn sie singt nicht nur, sondern gestaltet.

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Von Susanne Benda

Sogar bei Arien von Jacques Offenbach, mit denen sie am Mittwochabend bei den Schlossfestspielen das große Forum am Schlosspark fast zur Gänze mit Publikum füllte, steckt fast hinter jedem Ton ein Gedanke. [...]
Die Texte aus den Tagebüchern der Brüder Goncourt, Streifzüge durch Gesellschaft und Halbwelt des späten 19. Jahrhunderts, ergänzen den Abend mit eigenen Stimmungen und Kontrasten, die der Schauspieler Jan Josef Liefers mit kundigem Understatement liest. Der Kritiker, dem die Goncourts einen Maulkorb verpassen (“Er übt eine Funktion aus, die es eigentlich erforderlich machte, vollkommen zu sein”), schweigt und genießt.


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Im Land, wo die Zitronen blühn

Mittwoch, 30.Juni 2010 | Esslinger Zeitung

Der Appetit auf Zitrusfrüchte war ungemein, nachdem Christine Schäfer Hugo Wolfs Mignon-Lied „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn“ beendet hatte. Allein schon wie sie das Wort Orange artikuliert hatte, ließ einem das Wasser im Mund zusammenlaufen, so prall, so saftig, so süß baute sich die Südfrucht vor dem inneren Auge auf. Plastischer in Sachen Vokalformung und Singgestus geht’s nicht mehr.

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Von Verena Grosskreutz

Schäfer hat alles, was eine gute Liedsängerin braucht für die feinsinnige Textausdeutung in der intimen Atmosphäre eines Liederabends: die Fähigkeit zum schnellen Verändern der Stimmfarbe, das bruchlose Gleiten durch die Register, die Kontrolle über die Stimme in allen dynamischen Bereichen. [...]
Als glückliche Fügung offenbarte sich Schäfers Zusammenarbeit mit dem Mann am Klavier, Graham Johnson. Man hörte sich gegenseitig genau zu. Und Johnson gestaltete genial sensibel: ein Schattenmaler, Konturenzeichner, Pointillist in einer Person, der es versteht, das Gesungene psychologisch sorgsam auszudeuten und das Klavier in so stille, weltentrückte Klangregionen zu führen, von denen man vorher nicht einmal etwas geahnt hat. Das Publikum im Forum war begeistert und ließ die beiden erst nach drei Zugaben gehen. [...]


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Formvollendete Tonmalerei

Donnerstag, 22. Juni 2010 | Bietigheimer Zeitung

Diana Damrau triumphiert bei Schlossfestspielen
Sopran voll Dramatik, Koloraturkönigin mit Bodenhaftung, Primadonna ohne Allüren: Jedes Kompliment für Diana Damrau wäre untertrieben.

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Von Clarissa Soder

Wer sie erleben wollte, musste früh aufstehen. Doch sicher nicht so früh wie die Künstlerin selbst, deren Wecker nach eigenem Bekunden am Sonntagmorgen um halb acht in der Früh klingelte. Ein Matinee-Konzert stellt für Musiker, insbesondere Sänger, wahrlich eine Herausforderung dar.
[..] Ihr zur Seite stand Xavier de Maistre an der Harfe. Der begnadete Virtuose war der Sängerin nicht nur sensibler Begleiter, sondern überzog das Forum in zwei Solo-Stücken mit feinem Harfenzauber. Besonders das “Impromptu” von Gabriel Fauré gab Xavier de Maistre die Gelegenheit, die vielseitigen Artikulationsmöglichkeiten seines prunkvollen, goldglänzenden Saiteninstruments vorzuführen. [...]


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Wer sich der Einsamkeit ergibt

Donnerstag, 22. Juni 2010 | Stuttgarter Nachrichten

[...] Das impressionistische Moment in Liedern von Hahn, Chausson und Duparc lag der Harfe mehr, hier fand auch eine innigere Verschmelzung mit der Stimme statt. [...]

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Von Wolfgang Teubner

[...] Das herausragende Ereignis des Konzertes war indes die Addition zweier Weltklassekünstler. Man kennt Diana Damrau als faszinierende Sängerin, ihr leicht geführter Sopran vermag auch noch mit leisen Tönen den Saal zu füllen. Ihre Stimme drängt aber nach mehr, die große Oper bricht immer wieder durch, auch in den Andeutungen der Szene. Da gibt es juwelengleiche Töne, die sie reich verschenkt, die den engeren Rahmen des Liedes mitunter aber hinter sich lassen. Im zweiten Teil nimmt sie sich mehr zurück, hier überwiegen der Charme, die Atmosphäre, man mag die Zeit anhalten, so schön ist das. [...]


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Sopran und Harfe - ein äußerst reizvolles Duo

Donnerstag, 22. Juni 2010 | Ludwigsburger Kreiszeitung

Die Idee, Lieder von Franz Schubert, Richard Strauss und franzöischen Impressionisten statt wie gewohnt von einem Klavier von einer Harfe begleiten zu lassen, ist nicht so ungewöhnlich wie es manchen Besuchern der Festspielmatinee am Sonntagvormittag erscheinen mochte.

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Von Franzgerhardt von Aichberger

[...] Der warme, stets gut geführte Sopran und die virtuose Harfenbegleitung kamen auch den reizvollen Petitessen von Reynaldo Hahn und Ernest Chausson zugute. Meisterlich dargeboten, waren die beiden Solostücke für die Harfe von Francisco Tarega und Gabriel Faure Höhepunkte des Programms. Als der letzte Ton der Villanelle von Eva Dell’aqua verklungen war, brach ein Beifallssturm los, der erst nach drei Zugaben endete. [...]


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Magische Momente reinen musikalischen Glücks

Mittwoch, 21. Juni 2010 | Stuttgarter Zeitung

Vier unterschiedliche Gesichtsausdrücke konnte man am Freitagabend im Ordenssaal des Ludwigsburger Residenzschlosses vom Pianisten Brad Mehldau sehen: den freundlich-neutralen Blick des sympathisch auf Deutsch durch den Abend führenden Moderators, die mit geschlossenen Augen signalisierte Hingabe an die Musik, den stets neugierig sich rückversichernden Blick zum Gegenüber und schließlich ein seltsam verzerrter Mundwinkel, der wohl bedeuten mochte, dass Mehldau selbst staunte, was und wie ihm und seinem Partner, dem Gitarristen Bill Frisell, an diesem Abend alles gelang.

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Von Ulrich Kriest

[...] Gibt es bekanntere Melodien als “Alfie” von Burt Bacharach oder “Moon River” von Henri Mancini, deren erhabene Schönheit Frisell und Mehldau rekonstruierten und dann wirklich bis auf den letzten Ton auskosteten? Da befand man sich schon in einer schier endlosen Folge von Zugaben, mit denen das Publikum das Ende dieses Abends herauszuzögern wusste. Mindestens so erstaunlich wie die Musik war im Übrigen die Bescheidenheit und Freude, mit der Frisell seine Meisterschaft präsentiert. [...]


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So groß kann die Freiheit sein

Mittwoch, 21. Juni 2010 | Stuttgarter Nachrichten

Drei Musiker, drei Abende, drei Duette: Mit diesem ebenso simplen wie schlüssigen Konzept haben der Komponist Brad Mehldau, der Barde Joe Henry und der Gitarrist Bill Frisell am Mittwoch, Freitag und Samstag im Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses live musikalische Intensität zelebriert.

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Von Bernd Haasis

Ein kleines Festival im großen, mit insgesamt rund 1000 Besuchern, mit dem sich Thomas Wördehoff, der neue Intendant der Schlossfestspiele, gleich positioniert hat als Freigeist mit frischen Ideen. [...]
Der Laborversuch ist geglückt. Es wäre nicht derselbe geworden ohne den vierten im Bunde: den Ordenssaal mit seinem wundersam klaren Klang, in dessem barockenen Prunk erst so richtig deutlich wurde, wie groß Freiheit sein kann; richtig verstandene amerikanische ebenso wie die deutscher Festivalmacher, die mit Mut und Verve ungeahnte musikalische Horizonte aufreißen.


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Ein Bäumchen-wechsle-Dich-Spiel Auftakt zum Song-Conversation-Zyklus

Sonntag, 18. Juni 2010 | Bietigheimer Zeitung

So ungleich das Musikerpaar da auf der Ordenssaalbühne des Schlosses auch sein mag: Die Konversation mittels Instrumenten und einer Stimme gelingt Joe Henry und Brad Mehldau sehr flüssig.

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Von Patricia Fleischmann

[...] Den Anfang machten Jazzpianist Brad Mehldau und Singer-Songwriter und Produzent Joe Henry. Der fand eingangs gleich schmeichelhafte Worte für seinen grandios die Tasten bedienenden Bühnenpartner. Man habe in den vergangenen zehn Jahren zwar wenig miteinander gespielt, doch erhebe Mehldau ihn jedes Mal zu einem Billy Strayhorn. Gut, selbst wenn das tief gestapelt war für einen, der sich selbst durchaus zuhause fühlt bei Blues, Country und Jazz: Ganz weit daneben liegt Henry nicht mit dieser Anerkennung, schließlich umfasst Mehldau ein riesiges Spektrum an Stilen, ihn als Jazzpianisten einzuordnen, darf man getrost als denkbar weiteste Klammer für einen Musiker und Komponisten seiner Größe ansehen.
[...] Was für Texte! Henry beherrscht nicht nur die Komposition eingängig-anspruchsvoller Melodien, sondern er ist obendrein ein Poet und nicht zuletzt ein sehr souveräner Vortragskünstler. Auch eigene Interpretationen bekannter Songs wie “Night and Day” oder “I’ve got you under my Skin” kamen zum Vortrag samt dreier Zugaben. [...]


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Zerlegt, entstaubt und entmumifiziert

Donnerstag, 15. Juni 2010 | Ludwigsburger Kreiszeitung

Vierter Abend, drittes Programm der Musicbanda Franui, die zuvor bereits so herzerfischende Interpretationen von Mahler- und Brahmsliedern geboten hatte. Nun war Schubert an der Reihe und das Publikum war begeistert von der ungewöhnlichen Art, mit den Liedern des Komponisten umzugehen.

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Von Arnim Bauer

[...] Die Grundlage aber bilden die Bläser der virulenten Banda, die Schubert, dem meist auch musikalisch still am Bächlein Sitzenden, über stille Berge und ruhige Täler Wandernden, so eine neue Lebendigkeit mit auf seine Wanderungen geben. Da fliegt der Staub der Jahrhunderte, wird endlich einmal nicht in Ehrfurcht erstarrt , sondern interpretiert und der wahre Schubert kommt zum Vorschein, mit aller Kraft und Poesie, aber entmumifiziert.


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Gebrochene Romantik

Mittwoch, 14. Juni 2010 | Bietigheimer Zeitung

Die Osttiroler Musikband “Franui” geht mit Brahms Volksliedern frech, aber nicht respektlos um: Ihre Neuinterpretationen mit alpenländischem Touch lavieren unterhaltsam zwischen Ernst und Komik.

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Von Clarissa Soder

[...] Akkordbrechungen und die Zerlegung in Dreiklänge, denen schon Brahms in den Volksliedern nachspürte, werden in dieser Interpretation verstärkt. Auch die Zweistimmigkeit mit Terzintervallen unterstreicht den Liedcharakter. Die natürliche Ungekünsteltheit der Singstimmen erden die Lieder, die von Herzschmerz und Liebeswahn erzählen. Ihr Vortrag laviert zwischen Ernst und Komik. Und so ganz sicher kann man sich nicht sein, auf welche Seite sich “Franui” letztendlich schlägt.

Unter diesem Vorzeichen hat man Brahms noch nicht gehört. Kombiniert mit dem unbeugsam realistischen Blick der Literatur der 20er Jahre auf das Ungeschönte bietet “Franui” mit seinem Brahmsvolkslieder-Programm einen ganz neuen, auf jeden Fall unterhaltsamen und nicht immer ernst gemeinten Blickwinkel auf den Begriff der deutschen Romantik.


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Die Seele der Mahler-Lieder freigelegt

Montag, 12. Juni 2010 | Ludwigsburger Kreiszeitung

Eines der spannendsten Projekte der in der ersten Festspielsaison des neuen Intendanten Thomas Wördehoff ist das viertägige Gastspiel der Osttiroler Musik-Banda Franui.

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Von Dietholf Zerweck

Am Donnerstagabend kam im Ordenssaal ihr jüngstes Programm „Mahlerlieder“ zur Uraufführung: eine wunderbar gelungene, sehr originelle Interpretation von einem guten Dutzend Mahlerscher Kompositionen, vor allem eine Auswahl seiner “Lieder aus Des Knaben Wunderhorn”. [...]
Musikalisch ist das Mahler-Programm von Franui (was demnächst auch auf CD erscheinen wird) eine unglaublich farbenreiche Aneignung.


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Bewegung, die spricht

Mittwoch, 07. Juni 2010 | Bietigheimer Zeitung

Tanz im Forum: 18 Darsteller auf der Bühne, die aus 13 verschiedenen Nationen kommen, wenn die durcheinander sprechen, dann kann man erahnen, was Gott beim Turmbau zu Babel anrichtete.

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Von Gabriele Szczegulski

Mit einem Turm wollten die Menschen im Lande Shinar sich mit Gott messen: “Da kam der Herr auf die Erde, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten. Nun befürchtet er, dass ihnen nichts mehr unerreichbar sein wird, was sie sich auch vornehmen, das heißt, dass das Volk übermütig werden könnte und vor nichts zurückschreckt, was ihm in den Sinn kommt. Gott verwirrt ihre Sprache und vertreibt sie über die ganze Erde.” So stehts in der Bibel.
[...] Die neue Sprache, die Cherkaoui in “Babel” erschafft, erschlägt und fasziniert gleichermaßen. Am Ende ist der Zuschauer atemlos wie die Tänzer selbst und kann nicht fassen, was er sah. Das Stück in seiner geballten Ladung ist Ausgangspunkt für eigene Gedanken, und das ist gut so. Im Forum wurde das Ensemble frenetisch gefeiert, vielleicht, um das Chaos im Kopf zu verdrängen ob dieser choreografischen und körperlichen Anstrengung, den Turm zu Babel noch zu übertreffen.


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Nachdenken über die Leichen im mentalen Keller

Mittwoch, 07. Juni 2010 | Stuttgarter Nachrichten

Dass Gesten der Gewalt das sind, was uns Menschen um den Globus eint, ist auch die Botschaft von “Babel”. Gewalt als Abwehrhaltung gegenüber dem, was man nicht versteht?

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Von Andrea Kachelrieß

“Babel” endet immerhin mit einer versöhnlichen Geste – nach vielen verstörenden, anrührenden, komischen Momenten. Die fünf Kuben aus Metallstangen, welche die Tänzer zuvor zu immer neuen Türmen ineinander schachtelten, öffnen sich nun zu einer Umarmung – so wie Cherkaoui Tänze und Stile integriert. Auch deshalb wurde “Babel” kurz nach der Premiere als innovativste Tanzproduktion des Jahres gefeiert.


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Die Suche nach dem Heil

Mittwoch, 07. Juni 2010 | Stuttgarter Zeitung

In the age of silence people communicated more.” Mit Worten und Zeichensprache erklärt die Frau an der Rampe im Forum Ludwigsburg, die in schwarzen Lackhosen, hohen, oberschenkellangen Stiefeln und Fünfziger-Jahre-Pony an einen Androiden des Films “Blade Runner” erinnert, wie in der Ära der Stille kommuniziert wurde: Am Anfang war die Geste.

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Von Petra Mostbacher-Dix

Dann rumort es. Frauen und Männer fügen sich nach rüden Verbalitäten in einen archaisch anmutenden Gruppentanz zum treibenden Wirbel einer japanischen Trommel, deren Vibrationen noch hinten im Parkett zu spüren sind. [...]
Cherkaoui hat eine Tour de Force geschaffen, die durch philosophische Ideen, Kunstgeschichte und Film, Wissenschaft, Globalisierung, aber auch pure Körpersprache, Musik und Emotion führt. Bei dieser Ideenfülle bleibt nicht aus, dass “Babel” stellenweise etwas lang und ungenau ist. Aber genau dieses Ineinanderfließen der Bilder ist es, das am Stück so fasziniert.


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Starker Beifall für Chor und Orchester

Montag, 05. Juni 2010 | Ludwigsburger Kreiszeitung

Sorgte zusammen mit Chor und Festspielorchester und einem grandios aufgeführten Bartók-Konzert für den musikalischen Höhenflug: Michael Hofstetter

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Von Dietholf Zerweck

In der grandiosen Wiedergabe durch Michael Hofstetter mit dem Chor und Orchester der Festspiele wird die berstende Energie dieser Musik unmittelbar spürbar. Auch hier geht es im märchenhaften Text um die Ferne und Ablösung von der Kindheit, um die Rückkehr aus der Zivilisation in die Natur.
Dies war ein starkes Finale eines vom inhaltlichen Konzept her überzeugenden Auftakts der Festspielsaison.


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Die Kindheit ist die Wiege der Musik

Montag, 05. Juni 2010 | Bietigheimer Zeitung

Die Uraufführung durch die Aurelius-Sängerknaben war der Höhepunkt des Abends. Der österreichische Komponist Wolfgang Mitterer hatte als Auftragswerk “Der Traum vom Sein” komponiert und der 13-jährige Wiener Oliver Hoi hatte einen anrührenden Text darauf geschrieben. Der Text ist das beste Beispiel, wie genau und ohne Vorurteile Kinder in ihrer Beobachtung sind.

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Von Gabriele Szczegulski

Bei der Interpretation der Komposition durch die jungen Sänger aus Calw wurde deutlich, was Evgen Bavcar zuvor gesagt hatte: Unbedarft, aber mit der ganzen Kraft ihrer jugendlichen Seele und dem großen Können ihrer Stimmen gingen die Knaben ans Werk. Auf die lautmalerische, Gefühle vermittelnde Musik von Mitterer sangen sie den Text so herzzerreißend und ausdrucksstark, dass aus der Entwicklung eines Blattes, die im Stück mit für einen 13-jährigen ungewöhnlich poetischen Worten beschrieben wird, ein Meilenstein der Musik wurde. Das wilde Durcheinander der Blätter im Herbst fand sich im wilden Durcheinander der Instrumente wieder. Selbst die Momente der Stille wurden zu musikalischen Augenblicken. Vögel hörte man zwitschern, als die Rede vom Frühling war.


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Der mutige Umgang mit der Tradition

Samstag, 27. Februar 2010 | Stuttgarter Zeitung

FESTIVAL Der Intendant Thomas Wördehoff stellt sein erstes Programm für die Ludwigsburger Schlossfestspiele vor. Von Frank Armbruster

Wow!”, möchte man ausrufen, hält man das neue Programm der Ludwigsburger Schlossfestspiele in Händen, und gleich noch mal, wenn man es gelesen hat.

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Schon optisch hebt sich das 120 Seiten starke, im handlichen Breitformat gehaltene Büchlein ab von den konventionell braven Werbeagenturheftchen der Vorjahre: das beginnt mit dem neuen, anspielungsreichen Logo, setzt sich fort in einer exquisiten Typografie und wird gekrönt durch die kunstvoll verwischten Fotos, die der österreichische Künstler Helmut Pokornig als gestalterisches Element zwischen die Programmseiten gestreut hat. Äußerlichkeiten, die freilich Ausdruck des neuen Geistes sind, der mit dem neuen Intendanten Thomas Wördehoff in Ludwigsburg eingezogen ist. [...]

Zu den neuen Veranstaltungen und Reihen, die sich nicht nur an Liebhaber klassischer Musik richten, zählen Literaturporträts [...] Einen Schwerpunkt bildet wieder das Tanztheater: der flämisch-marokkanische Choreograf Sidi Larbi
Cherkaoui und seine Eastman Kompanie gastieren an drei Abenden, Alain Platel widmet sich in seiner neuen Choreografie der großen Pina Bausch. Gastspiele großer Orchester sucht man vergebens, dafür wird zum ersten Mal Christine Schäfer nach Ludwigsburg kommen, Vesselina Kasarova und Bo Skovhus sorgen ebenso für internationalen Sängerglanz. Und selbst für die Kleinen bietet man etwas: an fünf Sonntagen gibt es auf dem Dachboden der Alten Corps de Logis eine Märchenstunde, bei der nebenbei Bühnenberufe vorgestellt werden. Es mutet vielversprechend an, das neue Ludwigsburger Konzept. Jetzt muss nur noch das Publikum mitmachen.


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Eine blühende Oase fern vom Festival-Mainstream

Samstag, 27. Februar 2010 | Stuttgarter Nachrichten

Das Denken soll die Richtung ändern: In Ludwigsburg wird im Sommer (fast) alles anders Mit dem neuen Intendanten Thomas Wördehoff (56) verändern die Ludwigsburger Schlossfestspiele vom 3. Juni bis 31. Juli ihr Gesicht: Das Festival soll zu einer Experimentierwerkstatt werden, in der sich Künstlerindividuen unterschiedlicher Sparten gegenseitig vorantreiben.

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KOMMENTAR Ins Offene

Von Susanne Benda

In Ludwigsburg beginnt in diesem Sommer ein gigantisches Experiment: Das Schloss wird von einem in die Jahre gekommenen Durchlauferhitzer für Stars des Klassik-Tourneezirkus zu einem Denk- und Spielzimmer, in dem die sogenannte ernste Musik das Lachen wieder lernen soll. Die Offenheit und der Mut des neuen Intendanten sind bewundernswert, und sowohl Thomas Wördehoff als auch sein Stellvertreter Uwe Schmitz-Gilsdorf haben ein Feuer, das ansteckt. Die Sponsoren des Festivals, deren Rückzug viele befürchteten, konnten beide schon für sich gewinnen. Jetzt liegt es am Publikum, ob die neuen, gebrochenen Formate und ob die Künstler, die Bekanntes einmal anders betrachten, bei ihm ankommen. [...]


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Von der Idee einer wachsenden Künstlerfamilie

Samstag, 27. Februar 2010 | Ludwigsburger Kreiszeitung

Für seine Neukonzeption der Ludwigsburger Schlossfestspiele hegt Thomas Wördehoff die Vision einer Künstlerfamilie, die mit den Jahren zusammenwächst und deren Mitglieder immer wieder gerne hier herkommen.

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Teil dieser Vision ist, dass die Musiker, Sänger, Schauspieler, Tänzer nicht nur einmalig auftreten und dann wieder zum nächsten Termin ihres Tourneekalenders eilen, sondern hier für eine Weile Station machen. Eine Chance fürs Publikum, sie an mehreren Tagen und in verschiedenen Programmen zu erleben. [...]


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